Marco Nörenberg: Hallo und guten Abend, liebe Kolleginnen und Kollegen. Herzlich willkommen hier zu einer Diskussionsrunde bei 360 Grad Betriebsrat. Heinrich von Pierer wird das Zitat zugeschrieben: „Bevor das papierlose Büro kommt, kommt eher das papierlose Klo.“ Das war allerdings noch zu D-Mark Zeiten und seitdem ist eine ganze Menge passiert. Wir haben Digitalisierung. Wir haben eine Corona-Pandemie mit viel Home Office und natürlich hat sich auch die Technik inzwischen rasant weiterentwickelt. Solche Begriffe wie Zoom oder Teams – das ist in unseren Alltagsgebrauch übergegangen und natürlich hat das die Arbeitswelt verändern. Es ist auch an den Betriebsräten nicht vorbeigegangen, sondern vielmehr hat es auch für die Betriebsräte große Auswirkungen, und wir wollen heute über die Frage diskutieren, wo stehen wir eigentlich mit dieser Entwicklung. Wie agil und wie modern sind Betriebsräte heute? Wo führt das überhaupt doch alles hin und darüber unterhalte ich mich heute auch mit wirklich sehr interessanten Betriebsratsgästen und das ist zum einen Ali Adib – Betriebsrat bei UCB, das ist Katja Birkholz – Betriebsrätin bei S-Kreditpartner, Mark Brandt ist sogar Agile-Coach bei Hermes aber natürlich auch Kollege aus dem Betriebsrat und dann haben wir auch noch den Betriebsratsrocker, man kann es im Bild bei ihm sehen, Michael Ehrenberger – Betriebsrat bei SAP.
Marco Nörenberg: Herzlich willkommen euch. Wir haben das Thema ja in der Probebesprechung in drei Themen geschnitten. Das erste Thema ist: Spätestens Corona hat die Arbeitswelt in digitaler Hinsicht verändert und damit auch die Betriebsratsarbeit. Ich würde euch jetzt gerne in diese Diskussion reinholen und einfach auch mal um eure Schilderung bitten. Wie läuft's bei euch mit der digitalen Betriebsratsarbeit vielleicht verbunden mit der Bitte, weil wir das ja auch aufzeichnen hier, dass ihr, wenn ihr das erste mal dran seid, auch ein bisschen erzählt wo ihr herkommt, was mit eurem Unternehmen ist, wie ihr so als Betriebsrat in dem Thema ganz generell gestartet seid und den Anfang möchte ich gerne machen mit Ali und zwar ganz einfach deswegen Ali, weil du eigentlich das verbrochen hast, dass wir jetzt für heute zusammensetzen. Du hast mal leichtsinniger und kühnerweise auf Facebook gepostet, wir Betriebsräte müssen uns jetzt in die neue Zeit hier herein begeben. Wir sind nicht modern genug, und wenn man als Betriebsrat sich nicht modernisiert und dann jeder aufstellt, dann ist das alles nicht mehr zeitgemäß, und damit gesagt, habe ich dich gleich hinterher angefunkt und gesagt, darüber möchte ich gerne mal mit dir sprechen und da haben wir noch ein paar Mitstreiter gefunden für diese Diskussion. Also, Ali, du hast sozusagen das erste Wort. Wie ist denn das überhaupt aus deiner Sicht jetzt mit der digitalen agilen Betriebsratsarbeit.
Ali Adib: Erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, dass ich hier sein darf, lieber Marco und mit so interessanten Betriebsräten auch gemeinsam sprechen kann. Ich hatte den Post auf LinkedIn gesetzt sozusagen, gepostet, und bei uns. Ich bin Betriebsratsvorsitzender bei UCB Pharma seit 2018, bin seit 2010 Betriebsrat und wir haben das Glück bei uns in der Firma, dass wir schon immer digital gearbeitet haben, aber Corona hat uns eben gezeigt, dass wir eben in kürzester Zeit Betriebsratssitzungen digital durchführen mussten und auch Betriebsversammlungen, und da ist natürlich eine ganze Latte an administrativen Aufwand zu betreiben. Wir mussten die Geschäftsordnung ändern, um überhaupt gewährleisten zu können, dass wir digital tagen können, und die ersten digitalen Betriebsratssitzungen waren natürlich schwierig, und ja, man musste sich umgewöhnen aber wir haben in kürzester Zeit es geschafft, es zu machen. Auch Betriebsversammlungen haben wir dann digital direkt nach zwei Monaten im Februar oder März 2020 durchgeführt, und ich muss dir sagen, im Nachhinein das war das Beste, was wir machen können, weil wir hatten sonst, als wir in Präsenz immer die Betriebsversammlungen durchgeführt haben, ca. 70 Kolleginnen und Kollegen am Start gehabt, und die erste digitale Sitzung hatten wir über 300 Kollegen dabei. Wir sind – UCB Pharma ist ein pharmazeutisches und international operierendes Unternehmen mit weltweit 8.700 Kolleginnen und Kollegen und in Deutschland vertreten wir als Gemeinschaftsbetriebsrats 560 Kolleginnen und Kollegen.
Marco Nörenberg: Und das mit der digitalen Betriebsversammlung ist, ja jetzt eigentlich hier, wie soll ich sagen, vom Gesetzgeber wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht worden. Ich glaube das ist etwas, was auch viele Betriebsräte nicht gut gefällt.
Ali Adib: Absolut. Da hat uns der Gesetzgeber aus meiner Sicht keinen Gefallen getan und wir überlegen uns schon intern, wie wir das Kind vielleicht umbenennen können, um weiter digital mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Verbindung zu treten.
Marco Nörenberg: Ich weiß, dass es ganz viele Betriebsräte gibt, die genau vor dieser Themenstellung stehen und, auch wenn ich hier natürlich keine im Raum ist, die ja das so tut, dann weiß ich trotzdem, dass ich manche Betriebsräte da auch schlicht und ergreifend diese neue Rechtslage ignorieren und weiterhin mindestens mal hybride Betriebsversammlung machen, aber das ist natürlich nur was, was nur andere tun. Katja ich würde dich gerne in die Diskussion holen; S-Kreditpartner ist ja auch ein Unternehmen was bundesweit aufgestellt ist und insoweit natürlich auch irgendwie, wie soll ich sagen, so ein bisschen digital sein muss. Wie ist es bei euch? Wie ist es bei dir im Unternehmen gelaufen in dieser Frage.
Katja Birkholz: Ich möchte natürlich auch erstmal hallo an alle sagen und danke für die Einladung, Marco. Ich freue mich, dass ich hier mit dabei sein kann. S-Kreditpartner ist ein Unternehmen der Sparkassenfamilie, wie man schon an dem ‚S‘ vermuten kann wie Sparkasse. Wir sind ein recht junges Unternehmen in der Sparkassengruppe; uns gibt es erst seit 12 Jahren. Wir sind auch ordentlich gewachsen in der Zeit, mit weniger als 100 gestartet und mittlerweile haben wir schon die 650er Marke geknackt und wachsen quasi jeden Monat weiter. Ja und wir sind so strukturiert, dass wir wie du gerade schon gesagt hast, ein bundesweiten Vertriebsaußendienst haben und unsere Zentrale ist in Berlin aufgestellt und da ist uns digitale Arbeit nie fremd gewesen. Also der Vertrieb, natürlich, ist in den Sparkassen unterwegs, aber auch schon immer im Homeoffice und in Berlin haben auch viele Kolleginnen und Kollegen schon immer mal zwischendurch einen Tag Homeoffice gemacht und seit der Pandemie, wo es denn hieß auf einmal, alle ins Homeoffice – spätestens ist es bei uns definitiv nirgendwo mehr ein Fremdwort und wir alle mussten das ganz schnell umsetzen und ganz schnell lernen, und unser Arbeitgeber hat uns dafür auch die Technik zur Verfügung gestellt. Bei einigen war es schon immer der Fall, dass sie halt auch remote arbeiten können und selbst bei denen die es nicht konnten, die konnten das dann spätestens in der Pandemie und wir haben in der Betriebsratsarbeit, wobei ich da nur für die letzten anderthalb Jahre sprechen kann, das ist die Zeit in der ich mich jetzt im Betriebsrat engagiere, wir sind – nebenbei gesagt – ein Gremium mit 11 Mitgliedern und ich bin jetzt seit einem knappen, ja auch mit einer halben Freistellung dabei. Und wir haben in der Pandemie auch digitale Sitzungen durchgeführt und das tun wir also bis heute; wir haben das auch in unserer Geschäftsordnung fixiert, damit wir da rechtlich sicher unterwegs sind. Natürlich ist Präsenz bei uns immer das Mittel der Wahl, aber in der Praxis sieht es tatsächlich so aus, dass wir uns einmal im Monat vornehmen und in Präsenz zu treffen und das sind aber in der Regel auch hybride Meetings. Also irgendeiner ist immer mit der Kamera dabei und von daher reine Präsenzsitzungen haben wir ausgesprochen selten.
Marco Nörenberg: Es ist wahrscheinlich auch eine Frage von Kosten und auch sogar von Ökologie, wenn ich sag mal Kollegen nicht mehrere hundert Kilometer reisen müssen, um zu einer Betriebsratssitzung zu kommen.
Katja Birkholz: Ganz genau, damit hat es auch zu tun.
Marco Nörenberg: Michael dann kommen wir mal zu dir. Du bist ja der Betriebsratsrocker, wie man auch am Emblem hinter dir sehen kann. Wir hatten ja schon mal zusammen auch wirklich ein echt tolles und interessantes Gespräch gehabt und du hast ja auch so eine Betriebsratsinitiative in deiner Region angeleiert. Du bist insoweit natürlich auch vermuteter Experte, weil du von einer Softwarefirma kommst und nicht von irgendeiner kleinen Klitsche, sondern von Weltmarktführer SAP, zumindest ein Teil der SAP-Familie, und von daher nehmen wir jetzt einfach mal alle an, Michael, dass du der Experte schlechthin bist, was all diese Dinge angeht. Wie ist denn bei euch im Betriebsrat mit der Agilität?
Michael Ehrenberger: Erstmal vielen Dank, Marco, für die Einladung und euch, dass ich in der Runde dabei sein darf. Ich bin tatsächlich ausgesprochen dann nicht Expert, weil ich wahrscheinlich einer der wenigen Menschen bei der SAP bin, der eigentlich von IT keine Ahnung hat, denn von Hause aus bin ich Facility Manager. Das heißt ich baue Gebäude; ich betreibe Gebäude. Da kommt sicherlich auch mal IT und Kabel und WLAN Router und so weiter vor, aber jobmäßig bin ich davon eigentlich weit weg, mache ich eigentlich auch seit 30 Jahren mit voller Leidenschaft und der Kreis zum Betriebsrat schließt sich so ein Stück weit, weil als Facility Menschen als Betriebsratsmitglied möchtest du ja eigentlich was bewegen; du möchtest was Gutes für die Mitarbeiter tun und das ist jetzt egal, ob du alles Betriebsrat und quasi Service- und Betriebsratsarbeit machst, oder als Facility Mensch Infrastruktur oder sowas baust. Ich bin bei der SAP Deutschland also der Vertriebs- und Beratungsgesellschaft. Der großen SAP, also der Mutterkonzern, hat weltweit ungefähr 110.000 Mitarbeiter. Unsere Vertriebsgesellschaft in Deutschland hat ungefähr 5000 Mitarbeiter in 31er Gremium und ich habe im Jahr 2001 in der Mitarbeitervertretung angefangen, und als es dann bei der SAP ein Betriebsrat gab, und den gibt's eigentlich noch gar nicht so lange, der wurde 2006 gegründet, seitdem bin ich dann auch Mitglied im Betriebsrat. Was ich eigentlich unter dem Thema moderne Betriebsratsarbeit verstehe, und deswegen kommt vielleicht so ein Stück weit dieser Brand des Betriebsratsrockers, ist, dass wir uns als Betriebsrat auf Neues einlassen und da ist Corona – da war Corona sicherlich ein Booster, aber digitale Betriebsversammlung haben wir seit 2012 angefangen, was einfach damals schon den Umstand geschuldet war, dass die Vertriebskollegen alle irgendwo rumschwirren, teilweise weltweit unterwegs sind und wie willst du die als Betriebsrat erreichen, nur mit dem Unterschied 2012 gab es keinen Zoom, da gab es kein Teams; da war es als normalsterblicher Betriebsrat sehr viel schwieriger überhaupt eine technische Lösung zu finden, und was dazukommen, das hast du schon gesagt, ist die gesetzliche Grundlage Betriebsverfassungsgesetz aus 72 bietet moderner Betriebsratsarbeit und digitaler Betriebsratsarbeit wenig Handlungsspielraum. Ich habe damals in unserem Interview auch schon gesagt, was für mich nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt und so sehe ich eigentlich den Job heute auch als Betriebsrat. Digitalisierung ist aus meiner Sicht nicht wirklich geregelt, also kommt es uns Betriebsräten zu, das Beste daraus zu machen, und wie ich einen Job heute von über alles arbeiten kann, möchte ich halt mit modernen Mitteln auch Betriebsratsarbeit von überall ausmachen können. Das heißt wirklich trotz ungebunden sein, Zeit ungebunden sein und dafür brauche ich die entsprechenden Tools und ich brauche als Betriebsrat das entsprechende Gremium, das Mindset und einen Arbeitgeber, der das natürlich auch ermöglich. Und vielleicht das gehört so ein Stück weit mit dazu, dass ich es heute auch als moderner Betriebsrat vielleicht einfacher habe, einen Mitarbeiter an die betriebsrätliche Arbeit mit einzubinden; beispielsweise über ganz einfache Umfragen. Diese Tools sind durch Corona, glaube ich, haben die noch mal so einen richtigen Schub bekommen. Ich glaube es ist uns als Betriebsrat an der Stelle einfach und das letzte, was für mich noch so ein Stück weit zugehört und da ist, glaube ich, haben wir Betriebsräte ein Stück weit Verantwortung, dass wir einfach quasi an digitalen Prozessen an den digitalen Transformationen teilnehmen, dass wir Teil eines Prozesses – einer Transformation –letzten Endes sind und uns davon nicht ausnehmen. Das heißt auch, dass wir in einem digitalen Prozess als Betriebsrat beispielsweise auch digital dabei sind und dann nicht Sachen ausgedruckt werden, und das hat jetzt glaube ich gar nichts mit SAP zu tun, sondern ich hoffe einfach, das in Zukunft alle Betriebsräte die Möglichkeit haben, egal, ob sie jetzt irgendwo als Lokaler draußen unterwegs sind, oder wie ich die Möglichkeit haben, an den PC zu arbeiten. Dass einfach Betriebsratsarbeit so digital ist, dass sie sich von überall ausmachen kann und nicht dafür ins Betriebsratsbüro muss.
Marco Nörenberg: Dass solche Punkte dabei auch eine Rolle spielten, ist, dass natürlich auch die Kolleginnen und Kollegen sich selbst auch digitalisieren. Das heißt, wenn man jetzt in den Betrieben und Büros ist, dann hat man ja Anwesenheitsquoten, die liegen ja, je nach Homeofficevereinbarung, liegen die halt ganz unterschiedlich manchmal bei 40% oder teilweise sogar noch weniger und dann ist natürlich die Frage, erreichst du manche Kolleginnen und Kollegen – wahrscheinlich auch kaum noch auf die alte hergebrachte Weise. Da muss irgendwie digital werden.
Michael Ehrenberger: Ja, und ich glaube einfach, es hilft, also Ali hat es ja richtig gesagt. Also die Digitalisierung hilft uns Betriebsräten, glaube ich, die Reichweite einfach exorbitant auszuweiten und, und da kommt das Thema vielleicht hier dazu, ja, auch eine eigene Marke im eigenen Brand noch mal aufzubauen, weil du einfach eine unheimlich große Reichweite hast.
Marco Nörenberg: Ja, sehr gut. Ich meine das zahlt schon ein bisschen einen auf die Themen zwei und drei, die wir nachher noch haben. Wie ist eigentlich jetzt momentan die aktuelle digitale Betriebsratsarbeit und was haben wir vielleicht auch für den ein oder anderen noch als Ratschlag nachher dabei. Ich würde aber gerne erstmal Marc ins Gespräch mit reinholen. Marc ist, wie ich ja schon anmoderiert habe, auch – sagt man agiler Coach oder sagt man Agile? Ja, Marc, du bist ja Betriebsrat in einem Unternehmen, das ohnehin einem solchen digitalen Wandel massiv unterworfen ist, wenn man sich die ganze Branche anguckt. Dann ist das ja mit Sicherheit ein Thema, was bei euch eine große Rolle spielt, aber sicherlich auch bei euch in der Betriebsratsarbeit. Wie ist dein Blick auf das Thema?
Marc Brandt: Ja, also ich schließ mich dem Dank natürlich der Anderen an, dass du diese Ideen Initiative ergriffen hast und auf mich zugekommen bist und freue mich endlich mit Michael auch mal face-to-face zu sein und nicht immer auf LinkedIn-Posts jetzt auszutauschen und auf Katja und Ali natürlich auch. Also Digitalisierung ist bei uns eigentlich – wir haben ein sehr physisches Produkt; wir sind Paketdienstleister. Ich bin bei der Hermes Germany in der Hauptverwaltung in Hamburg, bin stellvertretender BR-Vorsitzender für einen 15er Gremium. Ich bin selber seit, mit Schrecken festgestellt, seit 2006 Betriebsrat, weil mich damals mal einiges angenervt hat in dem Laden und ich gesagt habe, wenn es mich ärgert, gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, weggehen oder ändern, also ich mich für Ändern entschieden. Das mache ich seit 2006 und bei Digitalisierung Betriebsratsarbeit muss ich sagen, hat uns geholfen, dass wir schon vor weit vor Corona angefangen haben, uns anders aufzustellen als klassische Betriebsratsarbeit. Das heißt wir haben Dinge aus dem Projektmanagement in die Betriebsratsarbeit aktiv reingeholt, haben uns ja verändert, haben viele Prozesse schon digitalisiert gehabt, bevor Corona kam. Die haben schon Microsoft 365 gehabt vor Corona, waren es gewohnt, damit zu arbeiten und als dann dieser berühmt berüchtigte Tag kam, wo es hieß, es geht nichts mehr, verlassen sie alle das Gebäude, waren wir innerhalb von Sekunden arbeitsfähig und haben, ich glaube, 72 Stunden später eine neue Regelungsabrede mit dem Arbeitgeber, dass er keinerlei ja Beschlüsse von uns anficht wegen der unsicheren Rechtslage. Also wir waren schneller als das Gesetz, weil wir gesagt haben, und da war der Arbeitgeber sofort dann – hat gesagt, ja klar, unterschreibe ich; also das ist so der Hergang. Wir sind bundesweit sechseinhalb tausend Leute, sind, ich habe gerade heute gelernt, 160 Betriebsräte bundesweit verteilt, weil wenn wir Flächenstruktur haben, das kennen einige mit Flächenvertrieb oder Flächenbetrieben, und ansonsten, ja, ich bin halt jetzt gespalten seit dieser Legislatur. Ich mache einen stellvertretenden BR-Vorsitz und hat mich aber entschieden, zur anderen Hälfte eben auch aktiv als Coach in der IT zu arbeiten. Ich habe ein Team, was ich betreue oder auch andere Teams oder Coach auch mal andere Einheiten und von daher, aber ich sehe mich der immer noch als Rookie an, weil ich bin immer noch am Lernen in dieser Rolle und ich glaube, das ist bzw. bei mir eine Sicht man lernt nie aus. Ich habe schon gesagt, ich habe Impostersyndrom; ich fühle mich immer unwürdig. Ansonsten, wir wollen ja nicht so viel Pulver am Anfang verschießen. Von daher, das soll reichen.
Marco Nörenberg: Ja, wobei ich würde tatsächlich noch ein bisschen gerne mit euch gemeinsam über diese Sache diskutieren, was Corona eigentlich ausgelöst hat, denn ich glaube natürlich, dass es insbesondere ein Thema für freigestellte Betriebsräte gewesen ist natürlich, denn wenn du an einem, in einem Anführungsstrichen, anderen Arbeitsplatz auch noch da Entdeckungskreis hattest, dann bist du ja praktisch von den Veränderungen getroffen gewesen, die da irgendwie eine Rolle gespielt haben, aber als freigestellter Betriebsrat hast du ja im Grunde genommen, bist du ja von dieser Arbeit ja freigestellt, und wenn du da nicht irgendwie einen Laptop hast oder die Technik, dann haben da sicherlich viele ganz schön alt ausgesehen erstmal in den ersten Wochen und Monaten, und insoweit, glaube ich, ist das auch eine wirklich teilweise auch wirklich harte Schule gewesen, durch die Betriebsräte dann in dieser Corona-Zeit mussten, denn es muss ja irgendwie auch die Organisation weitergehen. Ich sag mal WhatsApp und sowas, das hatte man da schon, aber jetzt gibt's auch ganz andere Features auch in diesen Dingern; jetzt gibt es viel. Ich meine Michael hat’s ja gesagt, diese diese Teams und Zoom, was die alle heute für Funktionen haben und wie reibungslos das läuft. Das war ja am Anfang alles nicht so. Wie waren denn da so, einfach mal in den Raum gefragt, wie waren denn da so eure ersten Schritte in Corona? Ich mein Marc hat es ja eben illustriert; das war dann innerhalb von 72 Stunden warst du arbeitsfähig. Ich bin mir nicht sicher, ob das bei euch allen so gewesen ist. Wie waren eure Lernkurven in der Coronazeit.
Marc Brandt: Vielleicht auch ergänzend dazu, wir haben ein hauseigenen Kundenservice und ich mein fernes Ziel vor Corona war es, für diese Kollegen Remote Office zu ermöglichen. Wir haben sogar eine BV gehabt und ich habe gedacht, das mache ich dann den nächsten 5 Jahren irgendwann mal. Die waren die ersten die komplett im Homeoffice waren. Also von daher das ging und ich sag mal, die Umstellung Betriebsratsarbeit, nee wir waren es vorher gewohnt, dass wir mit Teams in der Firma arbeiten, also von daher war es für uns keine wirklich Umstellung.
Michael Ehrenberger: War bei uns genauso. Ich habe 2015 schon das Thema Mobilarbeit behandelt. Das heißt, auch die geschäftliche Infrastruktur war zu dem Zeitpunkt schon da; die Mitarbeiter waren es dann gewohnt, hatten Equipmentausstattung. Prozesse waren so weit vorhanden, dass man von überall aus arbeiten konnte. Da war Lockdown und Corona eigentlich gar kein Problem mehr. Was ich festgestellt habe, ist das eigentlich durch Corona und nach Corona eigentlich die vielen Ideen die aus dem privaten Umfeld kamen und kommen, eigentlich so ein Stück weit in die Firma mit eingezogen haben. Also ich denke jetzt mal an das ganze Thema Streaming, an die ganzen Apps, die man aus dem privaten Umfeld kennt. Da ist, glaube ich, heute die Anforderung von unserer Belegschaft da, dass man sowas im beruflichen Kontext nutzen kann, was Ali vorhin auch sagte, ja. Wenn ich privat Fußball, Sportveranstaltungen, Konzerte eben über Streaming Plattformen mache, dann erwarte ich doch auch von meinem Betriebsrat, dass das im geschäftlichen Umfeld genauso funktioniert. Also die Akzeptanz, glaube ich, ist auf Arbeitgeberseite da, aus dem privaten Umfeld bei den Mitarbeitern dabei, den Betriebsräten genauso und, ich glaube, das Wichtige ist einfach, dass man versucht die vorhandenen Mittel, die in den Firmen da sind, einfach für sich für seine Betriebsratsarbeit zu nutzen und dann hast du auch die entsprechende Akzeptanz.
Marco Nörenberg: Ali, wie ist bei euch gewesen?
Ali Adib: Es war nicht so positiv oder so leicht wie bei Marc und Michael, aber wir waren auch innerhalb von einem Tag arbeitsfähig. Sogar unsere Kolleginnen und Kollegen im Labor sind dann eben auch ins Homeoffice gegangen und haben von dort aus gearbeitet. Natürlich konnten sie keine Analysen fahren, aber man hat ja auch administrative Tätigkeiten zu tun, die ortsunabhängig waren. Jeder hat ein Laptop; wir hatten das IT-Equipment und unsere IT hat eine super Arbeit geliefert in kürzester Zeit, eben jedem Kollegen dieses Remote-Arbeiten zu ermöglichen. Wir haben aber auch davor schon Kolleginnen und Kollegen gehabt, die mobil gearbeitet haben, also einmal in der Woche im Homeoffice waren, so dass das bei uns auch sehr gut funktioniert hat.
Marco Nörenberg: Katja, wie ist bei euch gewesen?
Katja Birkholz: Ja, also dadurch, dass wir vorher schon viel Erfahrung hatten mit Remote Arbeit, war das bei uns in den meisten Teams kein Problem. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, die anders arbeiten und da muss man dann Lösungen finden, aber grundsätzlich alles im grünen Bereich.
Marco Nörenberg: Ja, wir hatten ja – nicht nur aus diesem Grund ist es schade, dass wir eine Kollegin, die musste leider heute Absagen, eine Betriebsrätin aus einer großen Drogeriekette, die erzählt hat, sozusagen ihren betrieblichen Betreuungsbereich 100 Verkaufsstellen hat, und im Grunde genommen da, dann praktisch, es auch nicht so ist, wenn er zwei oder drei Leute in diesem Laden dann arbeiten, da ist nicht so viel mit Digitalisierung. Da muss man immer noch hinfahren. Dann muss man immer noch mit den Kollegen sprechen und ich gehe auch darüber hinaus davon aus, dass ich, sage ich mal, viele auch gar keine digitalisierten Arbeitsplätze haben. Wenn du jetzt irgendwo im Lager arbeitest oder so, dann ist das sicherlich auch eine Frage, wie Betriebsräte die dann erreichen. Damit sind wir eigentlich im Grunde genommen schon fast beim zweiten Thema wie läuft eigentlich Betriebsratsarbeit heute.



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